Forum Psychotherapie 2021

Liebe Kolleg*innen, liebe Studierende,


wir möchten Sie auch 2021 wieder sehr herzlich zu unserer Abend-Vorlesung "Forum Psychotherapie" einladen. Da ab 2022 die ICD-11 in Kraft tritt und teilweise radikale Veränderungen z.B. in der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen und Körperlichen Belastungsstörungen (vormals Somatoforme Störungen) mit sich bringt, widmen sich die Vorträge in in diesem Jahr diesem Thema.

Die Veranstaltung ist weiterhin gebührenfrei und sowohl für Mitarbeiter*innen des Instituts für Psychologie, Psychotherapeut*innen in Ausbildung und Studierende der Psychologie an der Universität Göttingen als auch für praktisch tätige Psychotherapeut*innen aus dem Raum Göttingen konzipiert. Wir möchten mit diesem Format einen Raum des interdisziplinären und bereichsübergreifenden Austauschs schaffen und somit einen Beitrag zur Überwindung der bekannten Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis („scientist-practitioner gap“) sowie der Grenzen zwischen Therapieverfahren leisten.

Die Veranstaltung ist als Fortbildung bei der Landespsychotherapeutenkammer Niedersachsen zertifiziert.

 

*** Aufgrund der aktuellen Situation finden die Termine bis auf weiteres online statt. ***

 

22.03. und 24.03. jeweils 18:15-19:45 (2 aufeinander aufbauende Vorträge) *ONLINE*

Prof. Dr. Johannes Zimmermann, Universität Kassel: Dimensionale Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen: Eine Einführung in die neuen Modelle in DSM-5 und ICD-11

 

Die aktuellen kategorialen Klassifikationssysteme zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen sind unbefriedigend. Sie stehen dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Weg und tragen wenig zum Verständnis des Einzelfalls bei. Mit der Einführung eines alternativen Modells zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen in Teil III des DSM-5 wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet, der auf eine evidenzbasierte, dimensionale und individualisierte Diagnostik abzielt. Mit dem ab Januar 2022 gültigen Modell für Persönlichkeitsstörungen in ICD-11 wird diese Entwicklung aufgegriffen und fortgeführt. Beide Modelle bestehen im Kern aus zwei dimensionalen Modulen zu Beeinträchtigungen im Funktionsniveau der Persönlichkeit und problematischen Persönlichkeitsmerkmalen. Am ersten Termin werden die Modelle vorgestellt und im Kontext aktueller Forschungsbefunde diskutiert. Am zweiten Termin wird die diagnostische Anwendung der Modelle anhand von Fallvignetten in Kleingruppen erprobt.

 

Zoom Link Termin 1:

Topic: Forum Psychotherapie: Prof. Dr. J. Zimmermann - Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11, Teil 1

Time: Mar 22, 2021 06:15 PM Amsterdam, Berlin, Rome, Stockholm, Vienna

https://uni-goettingen.zoom.us/j/91341004811?pwd=dzBGSmI5SWxLeHhTQ1lCVHA5OFJ1UT09

Meeting ID: 913 4100 4811

Passcode: 419356

 

Zoom Link Termin 2:

Topic: Forum Psychotherapie: Prof. Dr. J. Zimmermann - Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11, Teil 2

Time: Mar 24, 2021 06:15 PM Amsterdam, Berlin, Rome, Stockholm, Vienna

https://uni-goettingen.zoom.us/j/97771619121?pwd=U0lsRnV1Q1Z4MnFUWVkvSnlOS3ljdz09

Meeting ID: 977 7161 9121

Passcode: 142570

 

10.06. 18:15 – 19:45 *ONLINE*

Prof. Dr. Bernd Löwe, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Diagnostik der somatischen Belastungsstörung nach ICD-11: Klinik und empirische Evidenz

 

Mit der ICD-11 wird die neue diagnostische Kategorie der „somatischen Belastungsstörungen“ (englisch:„bodily distress disorder“) eingeführt und die bisherige ICD-10-Kategorie der „somatoformen Störungen“ abgelöst. Die neue Diagnose „somatische Belastungsstörung“ hat einige empirisch begründete Vorteile: so sind z.B. erstmals „positive“ psychologische diagnostische Kriterien definiert und sie basiert nicht mehr nur als „negative“ Diagnose auf dem vorherigen Ausschluss somatischer Erkrankungen. Ein ähnlicher Prozess fand bereits 2013 beim Übergang auf die 5. Aufl. des Diagnosemanuals der American Psychiatric Association (DSM-5) statt. Im Rahmen des Vortrages wird ein Überblick über die somatische Belastungsstörung aus klinischer und wissenschaftlicher Perspektive gegeben. Reliabilität, Validität, klinische Nützlichkeit der Diagnose und ätiologische Modelle werden kritisch diskutiert. In den Schlussfolgerungen werden Ausblicke auf die Behandlung und Erforschung der "Somatischen Symptomstörung" gegeben.

 

Zoom Link:

Topic: Forum Psychotherapie: Prof. Dr. B. Löwe - Diagnostik somatoformer Störungen nach ICD-11

Time: Jun 10, 2021 06:15 PM Amsterdam, Berlin, Rome, Stockholm, Vienna

https://uni-goettingen.zoom.us/j/93187483415?pwd=YmhTSERqd0FrMUN4dmRQdE1uUDZEdz09

Meeting ID: 931 8748 3415

Passcode: 704653

 

04.11. 18:15 - 19:45 *ONLINE*

Prof. Dr. Astrid Müller, Medizinische Hochschule Hannover: Verhaltenssüchte in der ICD-11: Können belohnende Alltagsaktivitäten zur Droge werden?

 

Menschen können nicht nur von der Einnahme von Substanzen, sondern auch von der Umsetzung bestimmter belohnender Verhaltensweisen abhängig werden. Mit der Aufnahme der Störung durch Glücksspielen und der Störung durch Computerspielen in die Kategorie „Disorders due to addictive behaviours“ des ICD-11 hat die WHO die Grundlage für weiterführende Forschung und damit auch für eine effektive Behandlung und Prävention dieser psychischen Störungen gelegt. Weitere kurzfristig belohnende Alltagsaktivitäten, die pathologisch entgleisen können, sind der Erwerb von Konsumgütern (Kaufsucht) und die Nutzung von sozialen Netzwerken (Social Media Sucht) oder Erotikangeboten im Internet. Der Beitrag informiert über Verhaltenssüchte, einschließlich sogenannter Internetnutzungsstörungen, und geht dabei vor allem auf Diagnostik, Prävalenz und aktuelle Störungsmodelle ein. Zudem werden Behandlungsansätze skizziert.

 

Zoom Link:

https://uni-goettingen.zoom.us/j/92741122704?pwd=bnVRYk0yeGhMTjlScTA1MDRtWkdhdz09

Meeting ID: 927 4112 2704

Passcode: 564261

 

25.11. 18:15-19:45 *ONLINE*

Prof. Dr. Thomas Ehring, Ludwig-Maximilians-Universität München: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Komplexe PTBS in der ICD-11

 

Seit ihrer Einführung in die diagnostischen Klassifikationssysteme war die Diagnose der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wiederholten Veränderungen unterworfen, die jeweils auch von intensiven Diskussionen und Kontroversen begleitet waren. Der Vortrag beginnt mit einem kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte der PTBS-Diagnose(n) über die Zeit und der Hauptkontroversen in diesem Zusammenhang. Danach werden die beiden im ICD-11 definierten Diagnosen der PTBS sowie Komplexen PTBS dargestellt, insbesondere Diagnosekriterien, Differentialdiagnostik, Messinstrumente zur Erfassung der Diagnosen und ihres Schweregrades sowie Befunde zur Reliabilität und Validität. In diesem Zusammenhang werden auch Unterschiede der ICD-11-Konzeption der Störungsbilder zum DSM-5 diskutiert. Der Vortrag schließt mit Überlegungen zu klinischen Implikationen.

Zoom Link:

https://uni-goettingen.zoom.us/j/95663141611?pwd=WVRuMFhUbkV3V3NxSzIyb090RWRmdz09

 

Meeting ID: 956 6314 1611

Passcode: 647115

 

Vorankündigung für 2022:

03.02.2022 18:15-19:45

Prof. Dr. Christoph Nikendei, Universitätsklinikum Heidelberg: Klima, Psyche, Psychotherapie

„Climate change is a psychologicial crisis, whatever else it is.“, schrieb B. Poulsen (2018). Psychologische Aspekte spielen sowohl im Rahmen der Entwicklung der aktuellen Klimakrise als auch für die Bewusstwerdung derselben und für unsere resultierende Handlungsfähigkeit eine grundlegende Rolle. Die Realisierung der akuten Gefährdung kann zu angst- und depressionsbezogenen Belastungssymptomen führen. Im Kontext von lebensbedrohlichen Naturereignissen – wie Überschwemmungen oder Buschbränden – leiden Menschen unter Traumafolgestörungen, Anpassungsstörungen, Angsterkrankungen und depressive Störungen. Und auch die Erhöhung der mittleren globalen Erdtemperatur hat direkte Auswirkungen auf die psychische Entwicklung und die psychische Stabilität. Mitarbeiter:innen des Gesundheitswesens und der psychosozialen Fachbereiche wird im Lichte der vielfältigen psychologischen Aspekte der Klimakrise eine besondere Rolle und Verantwortung zuteil. Wir können als Kliniker, Wissenschaftler und Lehrende einen substantiellen Beitrag zu dem notwendigen globalen Transformationsprozess und einem neuen Gesundheitsverständnis im Sinne einer „planetaren Gesundheit“ beitragen.