Forum Psychotherapie 2019

Im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe informieren Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen über praxisnahe Forschung, innovative Behandlungskonzepte und spannende klinische Fälle.

Liebe Kolleg_innen, liebe Studierende,

 

wir möchten Sie sehr herzlich zu unsere neuen Abend-Vorlesung Forum Psychotherapie einladen. Hierbei handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe, zu der wir in regelmäßigen Abständen Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen einladen, Vorträge zu praxisnaher Forschung, innovativen Behandlungskonzepten und spannenden klinischen Fällen zu halten. Die Veranstaltung ist gebührenfrei und sowohl für Mitarbeiter_innen des Instituts für Psychologie, Psychotherapeut_innen in Ausbildung und Studierende der Psychologie an der Universität Göttingen als auch für praktisch tätige Psychotherapeut_innen aus dem Raum Göttingen konzipiert. Wir möchten mit diesem Format einen Raum des interdisziplinären und bereichsübergreifenden Austauschs schaffen und somit einen Beitrag zur Überwindung der bekannten Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis („scientist-practitioner gap“) leisten. Die Veranstaltung ist als Fortbildung bei der Landespsychotherapeutenkammer Niedersachsen zertifiziert.

 

Wir freuen uns, für das laufende Jahr 2019 folgende zwei Beiträge ankündigen zu können:

 

26.09.2019 18:15 Uhr

Prof. Dr. Johannes Michalak (Universität Witten/Herdecke): Achtsamkeit, Depression und Embodiment

 

Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie ist ein Verfahren, dass zur Rückfallprophylaxe bei Depressionen entwickelt wurde. Achtsamkeit ist eine bestimmte Form der Aufmerksamkeitslenkung, die durch einen nicht-wertenden und bewussten Kontakt mit den Erfahrungen des Hier-und-Jetzt gekennzeichnet ist. Das Üben von Achtsamkeit soll (ehemals) depressiven Patienten helfen, aus negativen grüblerischen Geisteszuständen auszusteigen und sich mit der lebendigen Erfahrung des Hier-und-Jetzt zu verbinden. Der erste Teil des Vortrags stellt theoretische und empirische Hintergründe der Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie und deren Aufbau vor. Der zweite Teil des Vortrags beschäftigt sich mit der Frage, warum die Achtsamkeitsübungen, die im Rahmen des Programms vermittelt werden, einen starken Körperbezug haben. Es wird dabei argumentiert, dass eine Embodiment-Perspektive, die die Interaktion zwischen körperlichen und emotionalen Prozessen berücksichtigt, zu einem verbesserten Verständnis von Depressionen und der Wirkungsweise von achtsamkeitsbasierter Therapie beitragen kann. Die Embodiment-Perspektive kann daher möglicherweise auch die Entwicklung von neuen Ansätzen zur Behandlung von psychischen Störungen stimulieren.

 

19.11.2019 18:15 Uhr

Prof. Dr. Matthias Backenstraß (Klinikum Stuttgart): CBASP – State of the Art

 

Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) ist ein integratives Psychotherapieverfahren zur Behandlung chronischer Depressionsformen. Es integriert vor dem Hintergrund einer kohärenten Störungstheorie verhaltenstherapeutische, psychodynamische und interpersonelle Interventionen. War das von James McCullough entwickelte Behandlungsverfahren zunächst als Einzelpsychotherapie konzipiert, wurden zwischenzeitlich Behandlungsmanuale sowohl für die Anwendung von CBASP in der Gruppe als auch für den Einsatz von CBASP im Rahmen eines stationären, multiprofessionellen Ansatzes publiziert. Das CBASP erfreut sich somit konzeptueller Weiterentwicklungen, die durch intensive empirische Forschung begleitet werden. In diesem Vortrag wird nach einer kurzen, einführenden Darstellung des Therapieverfahrens der aktuelle Stand der Forschung dargestellt. Es wird dabei einerseits auf Wirksamkeitsstudien eingegangen: In mehreren randomisiert-kontrollierten sowie Beobachtungsstudien wurde CBASP mit der Wirksamkeit anderer Psychotherapieverfahren sowie medikamentöser Behandlungsansätze verglichen. Andererseits sollen Befunde zu Aspekten der Störungsannahmen (z.B. zu der Bedeutung früher Traumatisierungen für die Entstehung einer chronischen Depression und den Behandlungserfolg) vorgetragen werden. Der Vortrag schließt mit einer kritischen Würdigung der referierten Befunde.