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Pressemitteilung vom 11.06.2017 -
Psychologiestudierende zur anstehenden Entscheidung des Sozialausschusses über den Weiterbetrieb der Unterkunft Siekhöhe
Als in der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung engagierte Psychologiestudierende fordern wir die Stadt auf, bei Ihrer Entscheidung vor allem menschliche und gesundheitsförderliche Aspekte einzubeziehen und eine menschenwürdige, Selbstständigkeit und Integration fördernde Unterbringung für Geflüchtete in Göttingen umzusetzen. Es empfiehlt sich aus unserer Sicht dringend, darauf zu achten, dass kurzfristige Kostenüberlegungen diese Entscheidung nicht vereinnahmen, da dies ebenso zu Lasten langfristig günstigerer gesellschaftspolitischer Perspektiven gehen würde, wie auch zu Lasten hilfsbedürftiger Menschen, deren Schutz unsere Pflicht ist.
PAFGG (Psychologisches Angebot für Geflüchtete Göttingen) ist eine Gruppe von Psychologiestudierenden, die psychosoziale Beratung für Geflüchtete in den göttinger Unterkünften anbietet. Unser Ziel ist es, durch das Gesprächsangebot Entlastung zu schaffen, zu stabilisieren und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit haben wir Kontakt zu Geflüchteten in vielen verschiedenen Unterkünften, unter anderem in der Siekhöhe. Angesichts der anstehenden Entscheidung des Sozialausschusses der Stadt Göttingen wollen wir unsere Erfahrungen und Standpunkte teilen.
Dazu ein Mitglied von PAFGG: "Seit wir mit unserem Projekt im September letzten Jahres gestartet sind, haben wir regelmäßigen und guten Kontakt zum Sanidienst und den MitarbeiterInnen der Siekhöhe. Dabei haben wir Menschen kennengelernt, die unter nicht einfachen Bedingungen ansprechbar und engagiert sind, mit viel Energie für sich und die BewohnerInnen des Camps einen guten und lebenswerten Alltag zu gestalten. Aber auch wenn es in der Siekhöhe aufgrund der Größe der Unterkunft ein breites Betreuungs- und Versorgungsangebot gibt, ist die Unterkunft aus psychologischer Sicht für die Gesundheitsentwicklung und das Wohlbefinden der BewohnerInnen problematisch."
Ein weiteres Mitglied ergänzt: "Viele Geflüchtete haben traumatische Erfahrungen hinter sich und leiden an Schlafstörungen sowie Konzentrations- und Angstproblemen. Für diese Symptombilder ist das Leben in einer großen, lauten und relativ offenen Wohnumgebung wie der Siekhöhe keinesfalls zuträglich, gerade wenn BewohnerInnen dort für viele Monate untergebracht und Stressoren ausgesetzt sind. Das Wohlergehen von Menschen sollte bei der Unterbringung im Vordergrund stehen, denn eine menschenwürdige Unterbringung und die Ermöglichung von Teilhabe und Selbstständigkeit schafft Räume und Möglichkeiten zur gelingenden Integration und ist die beste Prävention gegen Fallstricke der aktuellen Politik."