Zivlicourage Training

Göttinger Zivilcourage-Impuls-Training (GZIT)

Margarete Boos in Zusammenarbeit mit Kai J. Jonas (Universität Jena), Sabine Backes (Universität Zürich), Nadine Büttner, Johannes Ehrenthal, Anke Prasse, Malte Schütt und Nicole Witte (Universität Göttingen)

Zivilcourage ist sozialpsychologisch gesehen ein Verhalten, für das eine bestimmte Motivation und spezifische Einstellungen notwendig sind, denen humanitäre und demokratische Werte zugrunde liegen. Handeln kann dann als zivilcouragiert bezeichnet werden, wenn es (a) mutiges Eintreten für Schwächere, diskriminierte, Opfer enthält, (b) öffentlich gezeigt wird und (c) mögliche negative Konsequenzen (z. B. körperlich oder sozial) für die eigene Person umfasst. Dabei können Normbrüche notwendig werden, d. h. eine sonst weithin akzeptierte gesellschaftliche Regel wird in der Situation als nicht mehr adäquat erkannt und zu Gunsten der Sicherung oder des Schutzes einer übergeordneten Norm durch zivilcouragiert Handelnde gebrochen.


Es gibt zahlreiche Hindernisse, die Menschen davor abhalten, bei Bedrohung und Gewalt an anderen einzugreifen oder Hilfe zu holen. Wir haben ein psychologisches Aktionstraining entwickelt: das Göttinger Zivilcourage-Impuls-Training (GZIT). Es beruht auf sozialpsychologischen Modellen der Hilfeleistung (Latané & Darley, 1970; Schwartz & Howard, 1981). Diese Modelle und empirische Forschungsergebnisse ermöglichten uns Übungen zu konzipieren, die die psychologischen Hindernisse auf dem Weg zur Hilfeleistung bewusst machen und Möglichkeiten aufzeigen, diese Barrieren aktiv zu überwinden. Die Auseinandersetzung mit der Rolle des/der passiv Zuschauenden von Gewaltakten, der sogenannten bystander person, wird im Training sowohl auf kognitiver als auch auf der Ebene des Verhaltens und der Selbsterfahrung geführt. Ziel ist es, für die Voraussetzungen und konkreten Möglichkeiten für Zivilcourage im Alltag zu sensibilisieren und das eigene Verhaltensrepertoire auf unterschiedlichen Ebenen zu erweitern.


Das Göttinger Zivilcourage-Training wurde im Rahmen der Göttinger Zivilcourage-Kampagne „Mut tut gut“ 2001/2002 und des Göttinger Regionalmodells zur Gewaltprävention an Schulen 2003 mit sehr guten Ergebnissen evaluiert.


Die Yes You Can! Ausbildung zur Zivilcourage-Trainer/in bei der AG Frieden e.V., Trier, erhielt am 11.10.2010 den Weiterbildungspreis 2010 Landes Rheinland-Pfalz.


Freie Trainings werden nach Vereinbarung angeboten. Für spezielle Trainingstermine und Train-the-Trainer-Angebote wenden Sie sich bitte an:

Prof. Dr. Margarete Boos
Universität Göttingen
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie
Gosslerstr. 14
D-37073 Göttingen
Tel.: 0551-394705
E-Mail: mboos@uni-goettingen.de

 

Arbeiten zu diesem Thema:

  • Jonas, K., Boos, M., & Brandstätter, V. (Hrsg.) (2007). Zivilcourage trainieren! Theorie und Praxis. Göttingen: Hogrefe und Huber.