Abteilung für Wirtschafts- und Sozialpsychologie schließt sich Boykott von Elsevier an

Die Abteilung 5 für Wirtschafts- und Sozialpsychologie beteiligt sich seit dem 01.01.2019 am Boykott des Wissenschaftsverlags Elsevier. Angehörige der Abteilung werden im Zuge des Boykotts keine Artikel mehr in Zeitschriften des Elsevier-Verlags zur Veröffentlichung einreichen und weder als Gutachter/innen (Reviewer) noch als Herausgeber/innen (Editor) für Elsevier-Zeitschriften tätig sein. Beispielsweise legt Prof. Schulz-Hardt seine Tätigkeit als Herausgeber des Journal of Economic Psychology nieder. Damit schließt die Abteilung sich der Initiative "The Cost of Knowledge" [1] an, in deren Zuge bereits über 17.000 Wissenschaftler/innen weltweit ähnliche Erklärungen abgegeben haben.

Hintergrund

Im Rahmen des "DEAL"-Projekts verhandelt die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen seit 2016 mit allen großen Wissenschaftsverlagen über neue Lizenzverträge für wissenschaftliche Publikationen. Ziel der Verhandlungen ist u.a., dass alle Publikationen von Autorinnen und Autoren aus teilnehmenden deutschen Einrichtungen automatisch frei verfügbar (Open Access) veröffentlicht werden. Ein weiteres Ziel ist eine angemessene Bepreisung der Lizenzen.

Während die Verhandlungen mit den Verlagen Springer Nature und Wiley konstruktiv verlaufen und kurz vor dem Abschluss stehen, sah sich die Allianz der Wissenschaftsorganisationen im Juli 2018 aufgrund überhöhter Forderungen gezwungen, die Verhandlungen mit Elsevier zu unterbrechen (siehe [2]). Als Reaktion auf die Unterbrechung der Verhandlungen schaltete Elsevier am 10.07.2018 den Zugang zu Publikationen des Verlags für die Georg-August-Universität Göttingen und rund 200 weitere namhafte deutschen Wissenschaftseinrichtungen ab (siehe [3]).

Elsevier ist mit jährlich rund 430.000 veröffentlichten Fachartikeln in rund 2.500 Fachzeitschriften einer der größten Wissenschaftsverlage der Welt [4]. Dabei steht Elsevier mit seiner Preis- und Publikationspolitik für die systematische Behinderung eines freien Zugangs zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen. Gleichzeitig ist Elsevier mit einer Gewinnspanne von 37% bei einem Umsatz von ca. 2,8 Mrd. Euro im Jahr 2017 [4] eines der weltweit profitabelsten Unternehmen. Diese Gewinnspanne wird maßgeblich durch die für Elsevier weitgehend kostenlose Arbeit von Wissenschaftler/innen als Herausgeber, Gutachter und Autoren für Zeitschriften des Verlags ermöglicht. Die Kosten tragen die Steuerzahler durch die öffentliche Finanzierung der Forschung und Zahlung von Lizenzgebühren an die Verlage. An diesem System können wir uns nicht weiter beteiligen: Öffentlich finanzierte Forschung muss frei zugänglich sein.

Nähere Informationen rund um das Thema können der Pressemitteilung [5] und der FAQ [6] der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen entnommen werden.

Weitere Informationen

[1] The Cost of Knowledge

[2] Pressemitteilung der Hochschulrektorenkonferenz zur Verhandlungsunterbrechung

[3] Projekt DEAL - Vertragskündigungen Elsevier

[4] Jahresbericht 2017 der RELX Group

[5] Pressemitteilung der SUB Göttingen zum Thema Elsevier-Abschaltung

[6] FAQ der SUB Göttingen zum Projekt Deal