Forschung

 Computerexperiment 1     Gruppe 3     Kodieren 1

Gruppenprozesse, Gruppenurteile und Gruppenentscheidungen

Forschungsbereich: G-I Transfer und Koordinationsgewinne (DFG-Projekt)

Folgenreiche Urteile und Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden oft von Gruppen anstelle von Einzelpersonen getroffen. Entsprechend ist es von zentralem Interesse, herauszufinden, wann Gruppen tatsächlich die besseren Entscheidungsträger sind, und welche gruppenspezifischen Prozesse auf die Qualität von Urteilen und Entscheidungen in Gruppen wirken. Unser Forschungsprojekt zielt darauf ab, sowohl leistungsförderliche und leistungshinderliche Gruppenprozesse zu identifizieren und genauer zu untersuchen. Dabei unterscheiden wir Prozesse danach, ob sie sich auf die Motivation der Gruppenmitglieder, deren Fähigkeit zu Bewältigung der Aufgabe, oder die Koordination innerhalb der Gruppe auswirken. Auf der Basis unserer Untersuchungen erhoffen wir uns wichtige Erkenntnisse über die Zusammenarbeit in Gruppen, auf deren Grundlage wir langfristig Maßnahmen zur Verbesserung der Urteils- und Entscheidungsqualität in Gruppen entwickeln können.

Forschungsbereich: Ratschlagsnutzung in Gruppen (DFG-Projekt)

Gruppen, die mit wichtigen Entscheidungen betraut sind, holen häufig Ratschläge von externen Beratern und Beraterinnen ein. Tatsächlich können solche Ratschläge die Urteils- und Entscheidungsqualität erheblich verbessern. Derzeit wird allerdings debattiert, inwiefern überhaupt Gruppen in der Lage sind, Ratschläge effektiv zu nutzen und ob bestimmte gruppenspezifische Prozesse einen Einfluss darauf haben, wie stark Gruppen externe Ratschläge befolgen.  Diesen Fragen gehen wir im Rahmen unseres Forschungsprojektes nach, indem wir untersuchen, ob und wie sich Gruppen verschiedener Größe und Einzelpersonen hinsichtlich der Nutzung externer Ratschläge unterscheiden. 

Gruppenleistung

Forschungsbereich: Selbstregulation in Teams und Arbeitsgruppen

Viele Aufgaben im Unternehmen und im Alltag verrichten wir gemeinsam mit anderen in Teams und Arbeits-Gruppen. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, herauszufinden wie Gruppen ihr Verhalten regulieren, um Aufgabenziele zu erreichen. Insbesondere fokussieren wir momentan auf die Rolle von abweichenden Gruppenmitgliedern, die schlechte Leistung erbringen, abweichende Meinung bei einer Gruppenentscheidung vertreten oder die die Gruppe kritisieren. Um vorherzusagen, wie Gruppen auf solche Abweichler reagieren, integrieren wir klassische Ansätze der Motivationsforschung (Ansätze zur Zielsetzung, Attributionstheorie) mit Konstrukten der Kleingruppen- und Teamforschung (Pro-Gruppen Intention). Labor- und Online-Experimente ergänzen wir dabei mit passender Feldforschung, um die Relevanz unserer Erkenntnisse für den Alltag von Teams zu verdeutlichen.

Projektleitung: Dr. J. Lukas Thürmer

Leadership

Forschungsbereich: „Emergence of Leadership“ (DFG-Projekt)

Oft kann beobachtet werden, dass in neu formierten Gruppen ein Gruppenmitglied die Führung übernimmt, obwohl es keine vorab festgelegte Führungsrolle gibt. Auf Forschungsebene hat die Untersuchung dieses als „Emergence of Leadership“ bezeichneten Phänomens zum Ziel, die Faktoren zu identifizieren, die determinieren, welche Person Führung in einer Gruppe ergreift. Bisherige Forschung fokussiert dabei vor allem auf die sich herausbildende Führungskraft selbst, wobei ungeklärt bleibt, ob die Führungsversuche erfolgreich waren und der Führungskraft auch gefolgt wurde. Dieser Forschungsbereich hat zum Ziel, die Faktoren zu identifizieren, die zum einen determinieren, wer sich als Führungskraft in einer Gruppe herausbildet und zum anderen determinieren, ob andere Gruppenmitglieder dieser Person folgen. In unserer Forschung untersuchen wir dazu eine große Bandbreite an interindividuellen Unterschieden sowie Verhaltensweisen.

Das Projekt ist Teil des DFG-Graduiertenkollegs 2070 Verstehen von Sozialbeziehungen und kollaboriert mit dem Deutschen Primatenzentrum.

Verhandlungen

Forschungsbereich „Prozessverluste & -gewinne in Verhandlungen“ (DFG-Projekt)

“Prozessverluste und –gewinne in Verhandlungen” ist ein Kooperationsprojekt mit der Leuphana Universität Lüneburg (Prof. Dr. Roman Trötschel und Marco Warsitzka, M.A.). Im Rahmen des Projekts wird die Rolle von sozialer Interaktion in Verhandlungssituationen analysiert. Vorherige Verhandlungsforschung suggeriert, dass Verhandeln in aller Regel zu besseren Ergebnissen für beide Parteien führt. Jedoch zeigt die Gruppenforschung, dass soziale Interaktion oftmals zu Prozessverlusten führen kann. Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Variablen (wie z.B. die Charakteristiken der Verhandlungssituation, Verhandlungsziele und kognitive Frames) manipuliert, um die Bedingungen zu untersuchen, unter denen Prozessverluste vs. Prozessgewinne beobachtet werden können. Zu diesem Zweck werden reale Gruppen mit Nominalgruppen, die nicht sozial interagieren, verglichen, wodurch Gruppen- und Verhandlungsforschung verknüpft werden. Signifikante Unterschiede zwischen Real- und Nominalgruppen weisen entweder auf einen Prozessverlust oder auf einen Prozessgewinn hin.

 

 

 

 

Judge-Advisor-Systeme

Judge-Advisor-Systeme mit multiplen Ratgebern (DFG-Projekt)

Entscheidungen und Urteile sind ein zentraler Bestandteil des Alltags und Ratschläge helfen Entscheidungsträgern dabei, bessere Entscheidungen und Urteile zu fällen. In Judge-Advisor-Systemen lässt sich der Einfluss von Ratschlägen auf Urteils- und Entscheidungsprozesse unter verschiedenen Bedingungen untersuchen. Die bisherige Forschung beschränkt sich dabei hauptsächlich auf solche Judge-Advisor-Systeme, in denen ein einzelner Ratgeber einem Entscheidungsträger Ratschläge erteilt. In vielen Alltagssituationen erhalten und suchen Entscheidungsträger den Rat mehrerer Ratgeber (das sprichwörtliche Einholen einer zweiten Meinung). Im Rahmen des Forschungsprojektes untersuchen wir daher Fragestellungen, die sich spezifisch im Kontext von Judge-Advisor-Systemen mit mehreren Ratgebern ergeben:

  • Die Wahl von Ratschlägen und ihre Nutzung bei mehreren simultan dargebotenen Ratschlägen
  • Der Umgang von Entscheidungsträgern mit Gruppen von abhängigen und unabhängigen Ratschlägen
  • Unterschiede in der Präferenz für und der Nutzung von Ratschlagsaggregaten gegenüber mehreren simultan dargebotenen Ratschlägen

 

 

 

 

Steuern

Steuerverhalten

Die Steuerzahlungen der Bürger und Bürgerinnen erlauben es der Gesellschaft öffentliche Güter, wie Infrastruktur, Bildungswesen oder Sozialsystem zu finanzieren. Ziel dieses Forschungsschwerpunktes ist es, jene psychologischen Determinanten zu identifizieren und näher zu beschreiben, die die Steuerehrlichkeit von Menschen und Unternehmen beeinflussen. Wichtige Determinanten sind beispielsweise Strafen und Kontrollen, die Legitimität der Steuerbehörden, Vertrauen, soziale Identität und Normen oder Fairness. Aktuell werden unter anderem zwei Projekte durchgeführt. Im ersten Projekt soll die Steuerehrlichkeit von reichen Personen genauer untersucht werden. Beispiele wie die Panama Papers, die Paradise Papers oder die CUM-Ex Geschäfte zeigen, dass bei reichen Personen sehr wahrscheinlich andere Wirkmechanismen eine Rolle für die Steuerehrlichkeit spielen, als bei Personen mit mittleren oder unteren Einkommen. Im zweiten Projekt werden Gruppendynamiken beim Steuerzahlen analysiert, beispielsweise wenn die Steuerentscheidung von zwei Personen und nicht nur von einer Person getroffen wird. Untersucht wird, ob es in der Gruppe zu vermehrter oder verringerter Steuerhinterziehung kommt und welche sozialpsychologischen Prozesse diesen Unterschied erklären können. Die Ergebnisse des Forschungsschwerpunktes sollen praktische Ideen zur Erhöhung des ehrlichen Steuerzahlens in unserer Gesellschaft liefern.

 

Verbundprojekt „Eskalationsforschung zur Kommunikation großer Infrastruktur- und Bauvorhaben“

Teilprojekt Sozialpsychologie: Wahrnehmung und Interpretation von Sachinformationen durch Konfliktbetroffene und Konfliktbeteiligte

Fokus des niedersächsischen Verbundprojektes: Dieses Projekt bringt Forscher/-innen der Universitäten Braunschweig, Göttingen und Hannover aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Der Verbund widmet sich seit Oktober 2014 der Frage, welche unterschiedlichen Faktoren darüber entscheiden, ob es bei der Entscheidung, Planung und gegebenenfalls auch Umsetzung von Großprojekten zu Prozessen der Konflikteskalation kommt oder ob der Fortgang dieser Projekte friedlich und im Konsens miteinander erfolgt (unabhängig davon, ob ein Projekt in der geplanten Form, einer anderen Form oder gar nicht verwirklicht wird). Mit unserer unabhängigen Forschung möchten wir dazu beitragen, den Dialogprozess zukünftig weiter im Sinne der Beteiligten zu optimieren.

Fokus des Teilprojektes Sozialpsychologie: Ein wichtiges Merkmal eskalierender Auseinandersetzungen um Infrastruktur- und Bauvorhaben besteht darin, dass sie sich durch vermeintlich klärende Sachinformationen (wie etwa Expertengutachten) nicht oder nur unzureichend befrieden lassen. Wir interessieren uns für die Verarbeitung und Beurteilung von Sachinformationen durch Betroffene und Beteiligte und möchten mit unserer Begleitforschung u.a. herausfinden, wie man diese im Rahmen der Kommunikation von Infrastruktur- und Bauvorhaben am besten gestalten sollte.

Dieses Projekt wird im Rahmen des "Niedersächsischen Vorab"-Programms der VolkswagenStiftung gefördert. Weitere Informationen zum Verbundprojekt finden Sie hier.