Peter Fischer, Verena Graupmann, Eva Jonas, Tobias Greitemeyer, Dieter Frey, and Stefan Schulz-Hardt (2003)

Konfirmatorische Informationssuche und Parteipräferenz: Sind Menschen nicht bereit, die Argumente der politischen Gegenseite zu hören?

In: Sozialpsychologie politischer Prozesse, ed. by Witte, Erich H.; Beck, Dieter. Pabst, Lengerich, chap. Konfirmatorische Informationssuche und Parteipräferenz: Sind Menschen nicht bereit, die Argumente der politischen Gegenseite zu hören?, pp. 186-205. (ISBN: 3-89967-031-0).

Bezüge zwischen konfirmatorischer Informationssuche und Parteipräferenz wurden am Beispiel der Parteispendenaffäre der Christlich-Demokratischen Union (CDU) Ende des Jahres 1999 untersucht. In einem ersten Experiment mit 257 Anhängern von CDU und Sozialdemokratischer Partei Deutschlands (SPD) wurde ermittelt, dass beide Anhängergruppen meinungskonforme Informationssuche zeigten. In Übereinstimmung mit einer dissonanztheoretischen Erklärung des Phänomens ergab sich, dass dieser Effekt bei CDU-Wählern (die durch die Spendenaffäre mehr Dissonanz erfahren haben sollten als SPD-Wähler) stärker war als bei SPD-Wählern. Konträr zur dissonanztheoretischen Erklärung war der Effekt allerdings schwächer, wenn man schon vor der Informationssuche seinen politischen Standpunkt bekannt geben sollte. Die Vernachlässigung von meinungskonträren politischen Informationen könnte allerdings alternativ auch kognitiv erklärt werden: Aufgrund der asymmetrischen Argumentenstruktur im Kopf des Informationssuchenden erscheinen die meinungskonträren Informationen systematisch unglaubwürdiger und schwächer als die meinungskonformen - und werden daher seltener gewählt. Um diese Alternativerklärung gegen die dissonanztheoretische Hypothese zu testen, wurde ein weiteres Experiment durchgeführt, bei dem Parteimitglieder und Nicht-Parteimitglieder während der Informationssuche zusätzlich durch eine kognitive Zweitaufgabe belastet wurden. Parteimitglieder suchten selektiver nach standpunktkonsistenten Informationen als Nicht-Parteimitglieder; dieser Unterschied verschwand allerdings, sobald Parteimitglieder während der Informationssuche zusätzlich durch die ``Cognitive-Load''-Aufgabe belastet wurden. Dieser Befund spricht für eine kognitive Erklärung des Phänomens.

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