Eva Hofmann, Bernadette Kamleitner, Erich Kirchler, and Stefan Schulz-Hardt (2006)

Kaufkraftschwund nach der Währungsumstellung: Zur erwartungsgeleiteten Wahrnehmung des (T)Euro

Wirtschaftspsychologie, 8(1):98-108.

In zahlreichen Ländern der europäischen Währungsunion vermutet die Bevölkerung, die Währungsumstellung sei genutzt worden, um Preise zu erhöhen; dies bei gleich bleibenden Löhnen. Diese Wahrnehmung wird durch offizielle Statistiken nicht bestätigt, kann aber zum Empfinden eines Verlustes an Kaufkraft führen. In Deutschland fanden E. Traut-Mattausch und Mitarbeiter (2004) Evidenz für die Wahrnehmung von nicht-existenten Preissteigerungen trotz objektiver Vergleichsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund werden Ergebnisse einer Studie vorgelegt, die zum Ziel hatte, die Existenz dieser Wahrnehmungsverzerrung auch in Österreich sowie deren Überdauern noch zwei Jahre nach der Einführung des Euro als Bargeld nachzuweisen. Im Weiteren wurde untersucht, ob auch auf der Seite der Einkommen Wahrnehmungsverzerrungen bestehen und ob diese Wahrnehmung kausal von Erwartungen beeinflusst wird. Insgesamt 308 Studierenden wurden Speisekarten eines fiktiven italienischen Restaurants beziehungsweise Stundensatzlisten für Studentenjobs in Schillingen und Euro vorgelegt. Die Euro-Beträge waren im Vergleich zu den Schilling-Beträgen entweder reduziert, gleich hoch oder erhöht. Die Studienteilnehmer schätzten Preis- und Einkommensunterschiede zwischen den in Schilling und Euro angeführten Beträgen und wählten Speisen beziehungsweise Nebenbeschäftigungen. Die Ergebnisse der deutschen Studie wurden bestätigt: Insbesondere wurden dort, wo die Preise tatsächlich stabil geblieben waren, illusionäre Preissteigerungen wahrgenommen. Diese ``Teuro-Illusion'' konnte auf die Erwartungen der Teilnehmer zurückgeführt werden und wirkte sich auch auf Verhaltensintentionen aus. Zusätzlich wurde gefunden, dass das Einkommen weitgehend als unverändert empfunden wird.

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