Jens Möller, Stefan Schulz-Hardt, Uwe Napiersky, and Dieter Frey (1998)

"Was hätte anders sein müssen, damit ...'' - Kontrafaktisches Denken von Führungskräften

Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 42(N.F.16):125-133.

Das von D. Kahneman und K. Tversky entwickelte Konzept des kontrafaktischen Denkens wird erläutert und im Bereich kontrafaktischer Gedanken von Vorgesetzten zu den Leistungen ihrer Mitarbeiter empirisch untersucht. Von kontrafaktischem Denken wird gesprochen, wenn Vorgesetzte sich Gedanken darüber machen, welche Bedingungen hätten vorhanden sein müssen, damit Mitarbeiter sich anders (besser oder auch schlechter) entwickelt hätten. Es kann positive affektive Konsequenzen haben, Veränderungsbedarf deutlich machen und zu Leistungsverbesserungen führen. In einer Fragebogenstudie wurde kontrafaktisches Denken von 60 Führungskräften analysiert. Sie nannten Bedingungen, die zu besseren oder schlechteren Leistungen ihrer Mitarbeiter geführt hätten. Die Antworten wurden von vier Beurteilern hinsichtlich Anzahl, Struktur und Referenz der kontrafaktischen Gedanken bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Führungskräfte besonders bei durchschnittlichen Mitarbeitern ihre eigenen Einflussmöglichkeiten thematisierten, während die Verhinderung günstigerer Entwicklungen der schwachen Mitarbeiter den Mitarbeitern selbst zugeschrieben wurde. Sollten die Vorgesetzten mental bessere Mitarbeiter simulieren, führten sie neue Bedingungen ein, während bei simulierten negativen Entwicklungen tatsächliche Hindernisse mental subtrahiert wurden. Die Ergebnisse werden auf ihre praktischen Implikationen untersucht.

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