Eva Jonas, Dieter Frey, Michael Henninger, Mona Pommer, Stefan Schulz-Hardt, Ina von Haeften, and Heinz Mandl (2001)

Erklärung des eigenen Handelns als Einflussfaktor auf Informationssuche und Informationsbewertung in einer sequentiellen Lernsituation

Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 33(4):242-252.

Am Beispiel der Fragestellung, welchen Einfluss die Erklärung einer eigenen Wahlhandlung in einer Lernsituation auf die Suche nach Informationen und deren Bewertung hat, werden sozialpsychologische und pädagogisch-psychologische Forschungstraditionen verbunden. 72 Versuchspersonen sollten im Rahmen einer Untersuchung des sprachlichen Handelns in drei aufeinander folgenden Sequenzen jeweils eine aus fünf möglichen Gesprächsäußerungen auswählen. Dabei wurde variiert, ob sie die von ihnen gewählte Handlungsweise erklären mussten, sowie ob sie auf ihre Erklärung hin eine positive, negative oder gemischte Expertenrückmeldung erhielten. Vor dem Hintergrund pädagogisch-psychologischer Ansätze stellen die manipulierten Faktoren (Verbalisierung im Sinne von Erklärungen des eigenen Handelns und Expertenrückmeldungen) zentrale Kennzeichen einer Lernsituation dar, die das Lernen fördern und die Offenheit beim Umgang mit Informationen fördern sollen. Vor dem Hintergrund sozialpsychologischer Ansätze erhöht das Abgeben einer Begründung für eine Wahl bzw. Entscheidung allerdings das Commitment zur gewählten Alternative. Dieses führt zu einem verzerrten Umgang mit Informationen, bei dem unterstützende gegenüber widersprechenden Informationen präferiert werden, welcher jedoch Lernerfolgen im Wege stehen kann. Die Ergebnisse des Experiments zeigen, dass die Versuchspersonen, die aufgefordert wurden, ihre getroffene Wahl zu erklären, anschließend eine stärkere Präferenz für unterstützende Informationen zeigten als die Versuchspersonen, die ihre Wahl der Gesprächsäußerung nicht erklären sollten. Darüber hinaus wählten sie seltener die objektiv richtige Gesprächsäußerung aus. Als weiteres Ergebnis findet sich, dass die Suche nach unterstützenden Informationen im Verlauf der drei Sequenzen abnimmt. Diskutiert wird unter anderem, wie solche sozialpsychologischen Erkenntnisse zur Optimierung pädagogisch-psychologischer Ansätze genutzt werden können.

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